Ute Henseler:

Zwischen ›musique pure‹ und religiösem Bekenntnis

Igor Stravinskijs Ästhetik zwischen 1920 und 1939

(sinefonia 9)
390 S., Pb., Abb.

Die Ästhetik Igor Stravinskijs, von der Wissenschaft bis heute nur kursorisch behandelt, gilt als kühles Plädoyer für eine Musik um ihrer selbst willen. frei von allem programmatischen oder metaphysischem Beiwerk. Das vorliegende Buch indes demonstriert anhand einer weit ausgreifenden Dokumentation und Problematisierung von Stravinskijs ästhetischem Werdegang in den beiden französischen Jahrzehnten, dass sich um 1930 zunehmend ein religiöser Subtext in seinen musikpoetologischen Maximen bemerkbar macht. Um dieser spirituellen Komponente auf die Spur zu kommen, wird das ganze Spektrum an musik- und schaffensphilosophischen Ideen offengelegt, das Stravinskij für sich adaptierte.

Damit liegt erstmals eine umfassende Würdigung von Stravinskijs Reflexionen zum Wesen der Musik vor. Sein ästhetisches Credo zeichnet sich durch ein Ineinander von Purismus und religiösem Subtext, ein Changieren zwischen Selbstbehauptungswillen und Fremdzuschreibungen, durch Eklektizität und partielle Unstimmigkeit aus. Gerade die Ambivalenzem jedoch, dieser Widerstreit eines Komponisten mit sich selbst, machen einen wesentlichen Teil von Strawinskijs Genie aus.

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