Daniel Hartinger: Wie erscheint das Klingen?

Musikalische Verweise auf das Nichts, beleuchtet durch die internationale Kunstbewegung ZERO

sinefonia digital #02
626 S., Pb.

Immanuel Kant popularisierte die Annahme eines komplementären Verhältnisses zwischen Nichts und Etwas im Sinne einer Anschauungsform a priori des Raums und Objekten, die in dieser als solche zur sinnlichen Anschauung kommen. Eine simplifizierende Auffassung dieses erkenntnisphilosophischen Wahrnehmungskonzepts verunmöglicht es, Klang und Klingen gleichfalls als dezidierte Objekte und Gegenstände der Sinnlichkeit zu begreifen. Dies wird umso problematischer, je mehr wir es etwa mit Arnold Schönbergs Farben op. 16 Nr. 3, dem Schaffen György Ligetis oder jenem Karlheinz Stockhausens mit musikalischen Werken zu tun bekommen, die das Klingen des Klingens selbst in drastischer Weise exponieren und es als gegenständlichen auditiven Anschauungsinhalt empfehlen. Um die ästhetisch fruchtbare Annäherung an derlei Musiken musikphilosophisch zu fundieren, unternimmt die vorliegende Arbeit deshalb den Versuch, Kants Ansatz der äußeren Anschauungsform a priori um eine auditive Komponente zu erweitern und postuliert in diesem Zuge die auditive Anschauungsform a priori der Stille. Begleitet werden diese Überlegungen von Betrachtungen, die auf das Wirken der internationalen Kunstbewegung ZERO fokussieren, zu der immerhin Stockhausen direkte persönliche Beziehungen nachweisbar sind. Obschon die ZERO-Protagonist*innen Klang und Klingen auf unterschiedlichste Weise in die in erster Linie nach wie vor visuellen Werkzusammenhänge zu integrieren wussten, mit Günther Uecker ein ZERO-Künstler sogar Arbeiten zeigt, die dem Klingen eine gewisse Gegenständlichkeit zuzubilligen scheinen und sich darüber hinaus die besprochenen Musiken allesamt auf oberflächliche Weise mit visuellen Codes von ZERO-Kunst zusammenschauen lassen, bleibt insgesamt zu konstatieren, dass sich die Kunst ZEROs gegenüber dem Objekthaften im Visuellen argwöhnisch positioniert zeigt, wohingegen die hier ins Feld geführten musikalischen Entwicklungen ausdrücklich die Profilierung auditiver Gegenständlichkeit kennzeichnet.

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